Sigrid-Maline Thierolf-Jöckel, eine der ehrenamtlich tätigen Höchster Klosterbegleiterinnen, führte die Gäste, beginnend am Labyrinth auf dem Gelände des Klosters Höchst bergan, zunächst durch das Wohngebiet und dann durch den Wald Richtung Schillertempel und von dort durch die Straße Am Weinberg und den Nonnenweg zurück, bis zur letzten Station, welche sich wieder auf dem Klostergelände befindet.
Begeht man den Vaterunser-Meditationsweg allein, mögen für manche die spirituellen Eindrücke intensiver sein. Nun, bei dem gemeinsamen kleinen Pilgergang, gab die Klosterbegleiterin Hinweise an den einzelnen Stationen und ließ beispielsweise Gedanken der Künstlerinnen und Künstler bei der Gestaltung der Skulpturen aufklingen. Und, so auch die Erfahrung derer, die schon viele Male den Weg gegangen sind: Stets ist der Austausch bereichernd – immer wieder entdecken Menschen in den Skulpturen neue Deutungsmöglichkeiten und Details.
Wer sich für eine Führung auf dem Vaterunser-Meditationsweg oder andere spirituelle Angebote rund ums Kloster Höchst interessiert, kann mit Gemeindepädagogin Eva Heldmann Kontakt aufnehmen:
E-Mail: eva.heldmann (ät) ekhn.de
Telefon: 0170 2206642
Hintergrund: der Vaterunser-Meditationsweg am Kloster Höchst und seine Geschichte
Bei der Wiedereröffnung nach umfassender Sanierung des Klosters (2002-2004) sagte der damalige EKHN-Kirchenpräsident Peter Steinacker im Sommer 2004, das Tagungshaus/Jugendbildungsstätte Kloster Höchst müsse fortan wirtschaftlicher arbeiten (es werde künftig weniger Zuschuss vonseiten der Landeskirche geben), sonst drohe ggf. sogar eine Schließung.
Daraufhin rief der damalige Landesjugendpfarrer Eberhard Klein die „Förderinitiative Kloster Höchst“ ins Leben, einen losen Zusammenschluss von Menschen, denen das Kloster und seine Zukunft am Herzen liegen bzw. die vermutlich ein Interesse daran haben, darunter er selbst, die Hausleitung, Vertreter des Höchster Klosterfonds, des Dekanats, des Zentrums Bildung, der Kommune Höchst und des Odenwaldkreises.
Entwickelt wurden Ideen, was zusätzlich zu den vorhandenen Angeboten entstehen könnte, um die Attraktivität des Hauses zu steigern. Im Lauf der Jahre gingen aus der Arbeit hervor: das Labyrinth, die Neugestaltung des Stillen Raums und der Vaterunser-Meditationsweg. Die Idee eines biblischen Kräutergartens auf dem Klostergelände hingegen konnte letztlich nicht umgesetzt werden.
Die Überlegung, einen kurzen Meditations-/Pilgerweg zum zentralen Gebet der Christenheit zu errichten, der am Kloster beginnt und dort endet und ein Stück Weges durch einen Teil des Ortes führt, mündete schließlich in das Projekt Vaterunser-Meditationsweg. Namentlich zu nennen sind hier insonderheit Pfarrer Winfried Klotz, Hans Blitz, der ehem. Präses und Vorsitzende des Höchster Klosterfonds, die damalige Dekanatsjugendreferentin Sabine Jackwert und Edith Schuster-Haug von der Fachberatung Kinder und Jugend beim Zentrum Bildung der Landeskirche in Darmstadt. Sie knüpften Kontakte zur Holzbildhauer-Fachschule in Michelstadt, wo die Lehrer Harald Donke und Baldur Greiner zusammen mit ihren Schülern Modelle für die acht Stationen zu den einzelnen Abschnitten des Vaterunsers erarbeiteten. Diese wurden schließlich in Holzskulpturen umgesetzt. Die Gemeinde Höchst gewährleistete über ihren Bauhof die Herrichtung der Plätze, an denen die Figuren aufgestellt wurden, sodass Anfang September 2009 der Weg eröffnet werden konnte.
Bis heute betreut der Höchster Bauhof die „öffentlichen Plätze“. Für den Unterhalt der Skulpturen wurde immer wieder um Spenden geworben, wofür eine Zeitlang die ehemalige Klosterpfarrerin Marion Rink zuständig war, nach ihrer Pensionierung Pfarrer i. R. Winfried Klotz. Sie kümmerten sich auch um die Neugestaltung zweier Skulpturen, die infolge Verwitterung des Holzes bereits erneuert werden mussten.
Bernhard Bergmann