„Hoffnungsgeschichten weitertragen“

veröffentlicht 02.09.2026 von Bernhard Bergmann, Ev. Dekanat Odenwald

Es sind viele Informationstafeln, die im Raum „Benedikt“ der Jugendherberge Kloster Höchst im Odenwald verdeutlichen: „Frieden geht anders“. Gemeindepädagogin Eva Heldmann hat die Ausstellung des Zentrums Oekumene der beiden hessischen Landeskirchen anlässlich des Weltfriedenstages/Antikriegstages am 1. September in den Odenwald geholt.

Da sie für die evangelische schulbezogene Jugendarbeit zuständig ist, hofft die engagierte Gemeindepädagogin mit den eindrücklichen Daten, Fakten und Zahlen dieser Ausstellung gerade jungen Menschen aufzuzeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, um Unterdrückung, Gewalt und Ungerechtigkeit zu begegnen – jenseits eines eigenen Griffs zur Gewalt. Daher der Name der Ausstellung: „Frieden geht anders“. Verbunden mit der Frage, welche auch den Titel des Abends bildete: „Was können wir als ChristInnen zum Frieden in der Welt beitragen?“

Gerade hier im Kloster Höchst habe die Beschäftigung mit dem Thema Frieden eine lange und bedeutende Tradition, erinnerte Eva Heldmann. Auch deswegen sei der Ort wunderbar als Gastgeber für eine Veranstaltung wie diese geeignet. „Wir wollen hier im Kloster Hoffnungsgeschichten weitertragen.“

Auf gut 20 Tafeln hat das Zentrum Oekumene Beispiele aus der Geschichte für die These „Frieden geht anders“ zusammengestellt. Der Boykott-Slogan „Kauft keine Früchte aus Südafrika“ ist da beispielsweise dargestellt, eine Reaktion auf das Unrecht der Apartheid. Deutlich wird hierbei zugleich die „Macht des Kleingelds“, welche der Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung wortwörtlich in den Händen hat – das gilt auch für Produkte wie etwa fair gehandelten Kaffee oder Schokolade.
Der gewaltlose Widerstand Mahatma Ghandis in Indien ist ebenso präsent wie die ermutigenden Zukunftsbilder Martin Luther Kings.
Dass ein sowjetischer Offizier durch eine beherzte Entscheidung 1983 einen Atomkrieg verhindert hat, ist wohl gar nicht so bekannt – hier aber kann man es erfahren.
Und Diplomatie ist ein weiterer Weg, Gewalt – zumindest vorerst – zu umgehen.
Oder: Verbindendes herausarbeiten.

Wo die Tafeln, entlang der Wände des Raums Benedikt aufgestellt, manchmal fast überbordende Informationen liefern, bieten einzelne Elemente der Ausstellung andere Perspektiven: Da stehen einem „Pappkameraden“ in Lebensgröße Auge in Auge gegenüber – etwa Martin Luther King oder Mahatma Ghandi, aber auch ein finster dreinblickender uniformierter Sowjet oder ein afrikanischer Kindersoldat, dem ein Unterschenkel fehlt und der ohne Krücken für den Rest seines Lebens nicht mehr auskommen wird. Da liegen Säcke mit Kaffeebohnen am Boden – symbolisch für die Bedeutung eines gerechten Handels, mit der unmissverständlichen Botschaft: ohne Gerechtigkeit kein Frieden. Da steht auch eine Obstkiste auf zwei Säulen, welche die Rassentrennung in Südafrika sinnbildlich stützen: nur für Weiße/nur für Schwarze.

Friedensbeauftragter Daniel Untch vom Zentrum Oekumene, der auch die Ausstellung begleitet, erläuterte in einem Vortrag eingehend und durchaus mit kritischen Anfragen die Friedensdenkschrift der EKD von 2025: „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“. Ein Gespräch mit dem Publikum schloss sich an. 

Am Nachmittag des Antikriegstages waren bereits die Höchster Konfirmandinnen und Konfirmanden zusammen mit Pfarrer Andreas Höfeld zu Gast und wurden von Gemeindepädagogin Eva Heldmann durch die Ausstellung geführt. In den kommenden Tagen sollen auch Schülerinnen und Schüler hierherkommen.

Auf gänzlich andere, äußerst sinnliche Art und Weise unter die Haut gingen die gewonnenen Eindrücke dann bei einer anschließenden „Feuershow für den Frieden“ mit Art Artistica (Erbach) auf dem Klostergelände, wo es bereits merklich dämmerte. „Feuertanz, leuchtende Artistik und eine Stelzenfigur erzählten von Unruhe und Konflikten, aber auch von Hoffnung und einem neuen Miteinander: ‚Frieden ist ein Licht, das wir gemeinsam weitertragen‘“, hieß es in der Beschreibung zu der Licht- und Tanzperformance. Dazu waren auch die überwiegend jungen Gäste der Jugendherberge eingeladen.

Die Ausstellung ist im Kloster Höchst bis 8. September zu sehen, danach für eine weitere Woche im Dekanatszentrum im Neuen Schloss in Bad König, Schloßplatz 6. Um sie hier anschauen zu können, ist eine vorherige Absprache mit Gemeindepädagogin Eva Heldmann unter Telefon 0170 2206642 notwendig.