Die Schöpfung im eigenen Garten bewahren

veröffentlicht 28.09.2026 von bb, Ev. Dekanat Odenwald

Klimaschutz und der Schutz der Artenvielfalt beginnen auch im eigenen Garten, auf dem Balkon, auf dem Friedhof oder rund um kirchliche Gebäude.

Wenn die Tage kürzer werden und das Laub fällt, beginnt auch im eigenen Garten eine besondere Zeit. Für uns Menschen bedeutet der Herbst oft Aufräumen und Zurückschneiden. Für viele Tiere dagegen beginnt die Suche nach einem sicheren Überwinterungsplatz. Wer im Herbst nicht zu gründlich aufräumt, kann deshalb einen wichtigen Beitrag zum Schutz der heimischen Tierwelt leisten.

Unter dem Motto „Schöpfung bewahren“ gehört für uns als Kirche auch der Blick auf das, was direkt vor unserer Haustür geschieht, dazu. Klimaschutz und der Schutz der Artenvielfalt sind Aufgaben, die nicht nur durch Großprojekte von Firmen oder die Politik angegangen werden. Sie beginnen auch im eigenen Garten, auf dem Balkon, auf dem Friedhof oder rund um kirchliche Gebäude.

Weniger Ordnung kann mehr Leben bedeuten!
Im Herbst ist es verlockend, Laub zusammenzurechen, Stauden abzuschneiden und jeden Winkel des Gartens winterfest zu machen. Doch ein Garten muss nicht überall ordentlich aussehen, um ein guter Garten zu sein. Laubhaufen, abgestorbene Pflanzenstängel, Äste und kleine Reisighaufen sind wertvolle Lebensräume.

Igel beispielsweise suchen im Herbst einen geschützten und möglichst trockenen Ort für ihren Winterschlaf. Ein Haufen aus Laub und Ästen in einer ruhigen Gartenecke kann dafür genau das Richtige sein. Auch Insekten, Spinnen, Amphibien und zahlreiche andere kleine Gartenbewohner finden dort Nahrung und Unterschlupf.

Wer einen solchen Platz anlegen möchte, braucht dafür nicht viel: Einige Äste und Zweige bilden die Grundlage, darüber kommt trockenes Laub. Am besten liegt der Haufen an einem geschützten, möglichst ungestörten Ort. So kann aus vermeintlichen Gartenabfällen ein kleines Winterquartier werden.

Laub liegen lassen, zumindest teilweise!
Auch unter Bäumen und Sträuchern darf das Laub verbleiben. Es schützt den Boden vor Kälte und Austrocknung und wird im Lauf der Zeit zu wertvollem Humus. Gleichzeitig finden zahlreiche Tiere darin Nahrung und Unterschlupf.

Auch verblühte Stauden sollten möglichst erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. Ihre Samen dienen Vögeln als Nahrung, und hohle Pflanzenstängel bieten Insekten Überwinterungsmöglichkeiten.

Besondere Vorsicht ist bei Mährobotern geboten: Sie können für Igel, insbesondere in der Dämmerung und nachts, eine erhebliche Gefahr darstellen. Wer einen Mähroboter nutzt, sollte ihn deshalb nicht in der Dämmerung oder nachts laufen lassen.

Auch beim Aufräumen von Laubhaufen ist Vorsicht angebracht. Bevor ein solcher Haufen bewegt oder verbrannt wird, sollte unbedingt geprüft werden, ob sich Tiere darin befinden. Gartenabfälle zu verbrennen, ist ohnehin keine gute Lösung – viel besser ist es, organisches Material im Garten zu belassen, zu kompostieren oder fachgerecht zu entsorgen.

Schöpfungsverantwortung beginnt vor der eigenen Haustür!
Vielleicht erscheint ein einzelner Laubhaufen zunächst wie eine Kleinigkeit angesichts der großen Herausforderungen des Klimawandels. Doch gerade darin liegt eine wichtige Botschaft: Klimaschutz und Schöpfungsbewahrung bestehen aus vielen kleinen Entscheidungen.

Ein naturnaher Garten speichert Kohlenstoff im Boden, braucht weniger künstliche Pflege, bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen und trägt zur biologischen Vielfalt bei. Doch besonders verändert sich unser eigener Blick: Wir entdecken, dass unser Garten nicht nur uns gehört. Er ist Lebensraum, den wir mit vielen anderen Geschöpfen teilen.

Als Christinnen und Christen sind wir eingeladen, diese Welt nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sorgsam mit ihr umzugehen. Das kann im Großen geschehen und ganz konkret im Kleinen: indem wir einen Baum pflanzen, auf Pestizide verzichten, Regenwasser nutzen oder im Herbst einen Laubhaufen für den Igel liegen lassen.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, im eigenen Garten eine kleine Ecke für die Schöpfung freizuhalten. Nicht perfekt aufgeräumt, sondern lebendig!

Victoria Altvater
Klimaschutzkoordinatorin im Evangelischen Dekanat Odenwald