Evangelisches Dekanat Odenwald

Nachruf

Pfarrer Claus-Eckart Fricke gestorben

Michelstadt. Der langjährige Michelstädter Pfarrer Claus-Eckart Fricke ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Wie sein Sohn Clemens mitteilt, war Fricke nach ersten beruflichen Stationen in Gernsheim und Hattert (Westerwald) von 1963 bis 1970 zunächst Pfarrer in der Kirchengemeinde Mossau und danach bis zu seinem Ruhestand 1995 Inhaber der Pfarrstelle Ost in Michelstadt, hier auch zuständig für Würzberg. Vielen Menschen ist er als prägende Pfarrerpersönlichkeit in Erinnerung, ein Mensch, der gleichermaßen deutlich seine Meinung vertrat und sich engagiert für andere einsetzte.
Geboren 1932 in Spandau, zog Claus-Eckart Fricke mit seiner Familie oft um, hatte etwa zehn Schulwechsel zu bewältigen, unter anderem im Oderbruch, in Pfronten (Allgäu), in der Steiermark, in Slowenien und dann ab 1945 in Mörfelden. Nach dem Abitur in Frankfurt studierte er evangelische Theologie in Frankfurt, Bethel und Göttingen.

In die Zeit des Pfarrers in Michelstadt fallen unter anderem die Gründung eines Jugendclubs und lebendige Begegnungen im Rahmen der Städtepartnerschaft Michelstadt-Rumilly (Frankreich) mit der dortigen katholischen Gemeinde. "Da gab es viel Austausch, gemeinsame ökumenische Gottesdienste, und ich erinnere mich an wilde Boule-Partien mit dem halben französischen Dekanat", erzählt Clemens Fricke. Auch Baumaßnahmen wie die vorletzte Renovierung der Stadtkirche, der Neubau des Pfarrhauses Ost und des Neuen Gemeindehauses - beide in der Adolf-Friedrich-Pfreundt-Straße - fielen in seine Amtszeit. "Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl kam ein Jugendlicher zu meinem Vater und fragte: 'Warum ist die Kirche eigentlich zu, wenn man sie braucht?'" Das war Anlass, die Stadtkirche zu öffnen, erinnert sich der Sohn, sogar nachts blieb das Gotteshaus für Einkehr und Gebet zugänglich. Lange Zeit unterrichtete der Pfarrer auch am Gymnasium Michelstadt evangelische Religion.

"Für mich war er mein Pfarrervater", erinnert sich der Odenwälder Dekan Dr. Karl-Heinz Schell dankbar und erwähnt auch die 2016 gestorbene Ehefrau des Pfarrers, Gundula Fricke. In den Achtzigerjahren war Schell in Michelstadt Vikar, also Pfarrer in Ausbildung. "Der Pfarrberuf ist ein Handwerk - man muss ordentliche Arbeit abliefern", ist eines der Zitate seines Lehrpfarrers, das Schell in Erinnerung geblieben ist. Im Lauf seines Berufslebens hat Claus-Eckart Fricke vier Vikare ausgebildet, eine Tätigkeit, die ihm viel bedeutet habe, wie der Sohn betont, ebenso wie die Ausbildung von Prädikanten, also Ehrenamtlichen in der Wortverkündigung. Und fügt an: "Für ihn hatte Christsein auch ganz viel mit Tun und Machen zu tun. Er hat sich für viele einzelne Menschen mit all seiner Kraft eingesetzt."

Die Trauerfeier für Claus-Eckart Fricke, welche Dekan Schell gestalten wird, beginnt am Dienstag, 30. März, um 11 Uhr auf dem Friedhof in Michelstadt.

 

Bernhard Bergmann
24.3.2021


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