Evangelisches Dekanat Odenwald

Neue Fachkräfte ausgebildet

Wegen der Bilder, die einem nicht aus dem Kopf gehen

Michelstadt. Lange Zeit gab es die Vorstellung, Einsatzkräfte von Rettungsdienst, von der Feuerwehr und dem THW würden von belastenden Bildern, welche sie oft bei ihren Einsätzen sehen, nicht verfolgt. Aber das stimmt natürlich nicht. "Gut, dass es dafür mittlerweile nicht nur das Bewusstsein gibt, sondern dass das Angebot von Einsatznachsorge auch angefragt wird", sagte Landrat Frank Matiaske nun bei der Überreichung von Zertifikaten an neu ausgebildete SbE-Kräfte. Die Abkürzung SbE steht für "Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen" und meint eben dies: dass auch Einsatzkräfte, hauptamtliche wie ehrenamtliche, eine professionelle Nachbetreuung bekommen, wenn sie diese benötigen und wünschen. Der Landrat war zugleich in Vertretung von Dr. Bernhard Krakowka, des Ärztlichen Leiters des Rettungsdienstes im Odenwaldkreis, sowie des Kreisbrandinspektors Horst Friedrich gekommen.

Pfarrerin Annette Herrmann-Winter, die Leiterin der Notfallseelsorge und Krisenintervention im Odenwaldkreis, hatte die Weiterbildung organisiert. Sie erinnerte bei der Zertifikatsübergabe daran, dass es bislang schon einige wenige SbE-Einsatzkräfte im Kreis gegeben habe, die auch regelmäßig angefragt worden seien: "Es sind die Bilder, die einem nicht aus dem Kopf gehen", welche die Hilfe notwendig machten, so Herrmann-Winter. Mit den neu ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen sei das Team nun durch Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Feuerwehr, Krisenintervention, der Firma Pirelli und durch Bestatter bedeutend erweitert worden. Damit werde gewährleistet, dass in den angeforderten Nachsorgeteams auch Mitarbeitende aus den Bereichen der Einsatzkräfte, sogenannte "peers", vertreten sein können. "All diese Berufsgruppen können Stressbelastungen durch Einsätze in ihren jeweiligen Bereichen haben", weiß Pfarrerin Herrmann-Winter aus Erfahrung.

Inhaltlich verantwortet hatte die Weiterbildung Oliver Gengenbach, der Leiter des Instituts für Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen mit Sitz in Witten. Gengenbach betonte, wie wichtig es sei, nach einheitlichen Standards in Deutschland auszubilden, wofür das von ihm geleitete Institut unter anderem steht.
Pfarrerin Herrmann-Winter dankte dem Förderverein Notfallseelsorge und Krisenintervention im Odenwaldkreis, dessen Vorsitzender Konrad Bäumle ebenfalls zur Zertifikatsverleihung gekommen war, für die Finanzierung des Weiterbildungsangebots.

Holger Wießmann, der Geschäftsführer des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, erinnerte daran, dass es zugleich darum gehe, "dass Menschen nicht krank werden, weil sie bedrückende Bilder und Erinnerungen aus Einsätzen mit sich tragen".
"Solches Engagement geht nur als Team, und jeder bringt dabei etwas von sich mit", sagte Pfarrer Reinhold Hoffmann, der stellvertretende Dekan des Evangelischen Dekanats Odenwald. Er würdigte das Engagement der Ehrenamtlichen und sprach zum Abschluss den neuen Mitarbeitenden den Segen zu.

Namentlich sind die neu ausgebildeten SbE-Team-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter: Rebecca Dörr, Sabine Färber-Awischus, Gudrun Gröger-Dietrich, Annette Herrmann-Winter, Mario Mohr, Gernot Niemeier, Volkmar Raabe, Brigitte Rodenhausen, Bärbel Roßner, Erik Sauer, Brigitte Romer-Schweers, Jutta Schäfer, Thomas Schill, Sabine Weichel und Thomas Weyrauch.

Ansprechbar für die Anforderung der Einsatznachsorgeteams ist Thomas Weyrauch, Notfallsanitäter beim DRK KV Odenwaldkreis als Koordinator. Die fachliche Leitung des Einsatznachsorge-Teams liegt bei Annette Herrmann-Winter. Erreichbar ist die Einrichtung unter Telefon (06062) 6086860.

 

Bernhard Bergmann
12.9.2018


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