Lützel-Wiebelsbach. Die evangelische Kirche in Lützel-Wiebelsbach war während der Renovierung des Gotteshauses lange geschlossen. Und als das Gebäude ab Dezember 2024 endlich wieder nutzbar war - fehlte die Orgel. "Nicht wenige haben sie vermisst und immer wieder danach gefragt", sagt Dekan Carsten Stein, der früher hier Gemeindepfarrer war und auch als Dekan - nicht zuletzt wegen der damals begonnenen Arbeiten an der Kirche - der Gemeinde und ihrem Gotteshaus eng verbunden blieb. Kirche ohne Musik, das geht natürlich nicht. "Als Ersatz wurde seither auf einer sogenannten Truhen-Orgel gespielt", berichtet Stein weiter.
Nun ist die Orgel zurück, "und das lange Warten hat sich gelohnt", ist der Dekan überzeugt. Das Instrument, welches im Jahr 1906 - also vor genau 120 Jahren - vom Orgelbauer Heinrich Bechstein aus Groß-Umstadt geschaffen worden ist, ist jetzt bei der Firma Förster und Nicolaus in Lich wieder in den Erbauungszustand rückversetzt worden. "Bei Arbeiten in den Fünfzigerjahren war nämlich einiges verschlimmbessert worden", weiß Carsten Stein, der nicht nur Theologe, sondern auch studierter Kirchenmusiker ist. So seien, dem damaligen Geschmack folgend, beispielsweise Orgelpfeifen einfach abgeschnitten worden, um andere Klänge und Tonhöhen erzeugen zu können. Seither verfügte die Orgel über Register, welche nicht zusammenpassten. Bei den jetzigen Arbeiten wurde das wieder rückgängig gemacht, Hinzugekommenes entfernt, Pfeifen wurden rekonstruiert, auch einige der alten, abgeschnittenen Pfeifen wieder fachgerecht ergänzt.
Interessant ist übrigens auch, dass mancher Baubefund in der Kirche dafür spricht, dass die Orgel ursprünglich auf der Empore auf der gegenüberliegenden Seite, oberhalb des Eingangs, ihren Platz finden sollte. Und der Prospekt, also das Gehäuse der Orgel, ist wesentlich älter, er stammt aus der Erbauungszeit der Kirche (1770-1774), was an seinem barocken Charakter gut erkennbar ist.
Auch optisch hat sich manches verändert, etwa an Spieltisch und Empore. Und manche der letzten Schreiner- und Malerarbeiten fanden noch in diesen Tagen statt.
Die Gesamtkosten für die Arbeiten an der Orgel, so peilt Dekan Stein nach dem derzeitigen Stand über den Daumen, werden bei rund 100.000 Euro liegen. Einen Zuschuss gab es vom gemeinsamen Orgelförderprogramm des Landesamts für Denkmalpflege Hessen und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.
Am Sonntag, 31. Mai, beginnt um 18 Uhr der musikalische Abendgottesdienst, der immer am letzten Sonntag im Monat in der Reihe 'Owwens uffm Bäisch' stattfindet. Da steht dann die neu strahlende "Königin der Instrumente" im Mittelpunkt. Zusammen mit Carsten Stein wird Dekanatskantor Johannes Schmidtke diesen Gottesdienst gestalten.
Bernhard Bergmann
24.5.2026