Evangelisches Dekanat Odenwald

Sonnenpredigten

Sonnenpredigten

zu den Kirchenfenstern in der Gammelsbacher Kirche von Bruno Müller-Linow (1909-1997)

wer augen hat
zu sehen der sehe was
die sonne predigt

 

Erntedank

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Die Auen stehen dick mit Korn,
dass man jauchzet und singet.
Psalm 65,14b

 

der felder fülle
wie im brennglas gebündelt
das leuchten der ähren draußen
strahlt hinein
in die gemeinde

durchs fenster zur welt
fürdanken zur ernte
fürbitten dass alle
gesättiget werden

sieben halme
das meint: es reicht
für alle, drum
lasst uns teilen

 

*

 

Reformationstag

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Der Sämann sät das Wort.
Markus 4,14

 

Zu Martin Luthers bleibenden Gaben zählt auch diese: Er reichte uns das Saatgut - ein ganzes Buch voll - in unsrer Sprache.
Jedes Bibellesen ist eine neue Aussaat.

 

auflesen
wort für wort
ausstreuen, säen im kopf

was aufgeht wächst reift
ernten magst du
wann immer du ihrer bedarfst
trost hoffnung weisung zuversicht

 

*

 

Buß- und Bettag

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
Lukas 22,62

 

Der Hahn - ein Passionsmotiv. Vor allem, gewiss. Aber nicht nur. Er steht auch für den Ruf zur Umkehr, zur Buße. Ob es ein Hahnenschrei ist oder eine Mahnung oder Erinnerung, das rechte Wort zur rechten Zeit oder das Schweigen, das alles sagt: ein Kleines mag genügen, um Richtig von Falsch zu scheiden - und umzukehren. Wer sich umwendet, sieht hinter sich offene Arme.

 

*

 

Advent

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1

 

getragen vom licht
der eigenen botschaft
kommt der engel, spricht
inmitten des dunkels
fürchtet euch nicht

 

*

 

Weihnachten

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Lukas 2,12

 

leer die krippe
die bedeutungsvoll leuchtet
nehmt dies zum zeichen
dass gott schon unterwegs ist
in der welt

leer die krippe
nehmt dies zum zeichen
dass alles harrt
der wiederkunft dessen
der über das kreuz im fenster hinausging
himmelwärts

leer die krippe
in dir

 

*

 

Zum neuen Jahr

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele, der im Himmel festgemacht ist.
Hebräer 6,19f.

 

ins meer der katastrophen
der angst und verzweiflung und des
stetig anbrandenden nichts
auswerfen den
anker der hoffnung auf den
grund des glaubens

 

*

 

Vorfastenzeit

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Wie würde aber dann die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?
Matthäus 26,54.

 

Noch ist der Weg nach Jerusalem weit; siebzig Tage, sechzig Tage. Noch manche Kreuzung liegt vor ihnen. Entlang der Straße und an den Kreuzungen warten Menschen. Sie wollen ihn sehen, bitten um Hilfe, Heilung. Sie suchen seine Nähe, Zuspruch, Trost, Stärkung. Sie haben Fragen, bitten um Antworten, hoffen auf Wunder.
Der Weg nach Jerusalem geht geradeaus. Die dreizehn werden nicht abbiegen; sie könnten es, tun es aber nicht.
Die Menschen kommen von links, kommen von rechts, warten am Wegrand, wollen ihn sehen. Jesus kennt seinen Weg, geradeaus, Richtung Jerusalem.
Er könnte abbiegen, tut es aber nicht. Damit die Schrift erfüllt werde.

 

*

 

Passionszeit

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Johannes 15,5

 

frucht -
das wäre dann

der kleine schritt
das lächeln
der stützende arm
die getragene tüte
das streicheln
das wir
das für
das gegen
das schweigen
das reden
das bleiben
das eine wort
der dank
das gebet
das taschentuch
der heiße tee
der besuch
das stück brot
die bitte "verzeih"
der fleischverzicht
die gastfreundschaft
der weite weg

 

*

 

Gründonnerstag

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
1.Korinther 11,25

 

I
fünf brote und zwei fische
reichten für fünftausend
zwei brote und ein kelch
reichen für alle und ewig

II
wieder und wieder befüllt den kelch
das gedächtnis

III
im zeichen des kreuzes die
mahlzeit des lebens

 

*

 

Karfreitag

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

"Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn gewesen!"
Matthäus 27,54b

 

 

todesstunde

I
verdunkelt die sonne
vom blut dessen der kam
mit der botschaft liebe
gefesselt der mond
wie in schmerzen gekrümmt

gottesfinsternis

 

II
opfer oder sieger
gleichviel

mehr aber
was selbst seine todfeinde nun
erkennen, bekennen
dieser ist gottes sohn gewesen

 

*

 

Ostern

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
1.Korinther 15,20

 

*

 

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete?
Lukas 24,32

 

 

I
jesu worte
funkenflug
der herzen entzündet
darin die flammen reichlich nahrung finden

II
bibel lesen
feuer legen
ans eigene herz

 

*

 

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren.
Matthäus 3,16b

 

 

I
unverständnis, hass, missgunst
sind gesät
komm taube
die körner zu picken
bevor sie aufgehn

II
wo sie landet
wissen wir nicht
aber wir sollten ihr
einen platz einräumen
zwischen dir und mir

*

 

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.
Psalm 26,8

 

 

die kirche im dorf

so weit
kommt er dir entgegen
bis in die mitte deines dorfs
nun steig du
die fünfzehn stufen
hinauf zu ihm

*

 

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
1.Korinther 3,11

 

 

brot und wein
lebensfundament
darauf die erde fest gegründet
vom kreuz
beschirmt, beschützt
gesegnet

*

 

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Wer überwindet, dem will ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht.
Offenbarung 2,7

 

 

zwischen baum und baum
unser weg
kurz oder lang

den baum der erkenntnis
abgeerntet im rücken
haben wir seine früchte dabei
rasten und zehren
und bleiben doch hungrig
wissen und sehen
und handeln doch nicht

wandern weiter
zu den leuchtenden früchten
zur ernte des lebens
gesättigt zu werden

*

 

Foto: Bernhard Bergmann

 

 

 

 

 

Die (Taube) kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug's in ihrem Schnabel.
1.Mose 8,11a

 

 

nach den nachrichten

hinausgehen
die hände öffnen
für die erlösende botschaft

 


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