Evangelisches Dekanat Odenwald

Elke Walter-Christ

Musik ist ihr Lebenselixier

Höchst. Einen richtigen Festgottesdienst hätte es geben müssen, mit Singen und Flöten, mit Orgel und Posaunen, mit Sekt und Grußworten. Denn Elke Walter-Christ, Kantorin der Kirchengemeinde Höchst, ging nun nach über vierzig Dienstjahren in den Ruhestand.
Elke Walter-Christ wuchs in Höchst auf, war sogar einmal Apfelblütenkönigin. Im Elternhaus gehörte Musik von Anfang an zu ihrem Leben. Der Vater war Trompeter in der Blaskapelle. Die Mutter spielte Klavier, das wollte die Tochter auch lernen. Richard Herbert vom Herbertschen Chor war ihr erster Lehrer. Mozart mit der heiteren Gelassenheit seiner Musik wurde ihr Lieblingskomponist.

Nach der Schulzeit studiert Elke Walter-Christ Kirchenmusik in Frankfurt, leitet nebenher den ersten Kirchenchor in Wiebelsbach. 1978 erwirbt sie den B-Schein in Kirchenmusik und wirkt zunächst drei Jahre als vollzeitliche Kantorin an der Michaelskirche Reichelsheim.
1980 ist Hochzeit. Der erste Sohn kommt zur Welt, dem später noch zwei weitere folgen. 1983 zieht es die Familie zurück nach Höchst. Sonntags spielt Elke Walter-Christ nun hier die Orgel, zunächst - bis 1997 - im Wechsel mit der Mutter. Sie übernimmt den evangelischen Singkreis. Ehrenamtlich gibt sie Flötenunterricht, und als die Söhne größer werden, beginnt sie mit dem Aufbau der Kinderchorarbeit, die in den 1990er Jahren enorm aufblüht. Zu den Höhepunkten zählt die Aufführung zweier Kindermusicals zu biblischen Geschichten: Jesus auf der Hochzeit zu Kana und Josef in Ägypten.

Das von ihr eingeführte jährliche "Sommersingen" im Stillen Hof des Klosters wird zum festen Bestandteil des Gemeindelebens. In dieser Mischung aus Konzert und Gemeindefest können Jung und Alt gesellig feiern und sich gegenseitig vorstellen, was sie unter der Leitung der rührigen Kantorin musikalisch einstudiert haben. 2001 wird aus den vielen Tätigkeitsbereichen und Dienstaufträgen endlich eine halbe hauptamtliche Kantorinnenstelle.
In den Jahrzehnten ihres Berufslebens hat sich die Arbeit von Elke Walter-Christ immer wieder verändert. Familiäre Veränderungen, der Wandel der Musikkultur und die unterschiedliche Unterstützung von Pfarrerseite haben Grenzen und Möglichkeiten mitbestimmt. In den letzten anderthalb Jahren bremsten äußere Faktoren vieles aus. Erst war die Orgel wegen der Kirchenrenovierung monatelang eingepackt. Dann kam die Pandemie. Gottesdienste fielen aus. Musikgruppen pausieren fast durchgängig seit letzten März. Eine feierliche Verabschiedung ist aufgrund der Versammlungsbeschränkungen gar nicht möglich.

Das ist schade. Aber eigentlich mag Elke Walter-Christ auch gar keinen Trubel um die eigene Person. Und wirklich aufhören will sie ohnehin nicht, dafür sind ihr Singkreis, Gottesdienst und Orgel zu sehr ans Herz gewachsen. Die Kirchengemeinde freut sich, denn eine Nachfolge ist nicht in Sicht, und weil die Finanzmittel überall knapper werden, kann die Stelle auch nicht im alten Umfang neu besetzt werden.
Wie es weitergeht, ist derzeit kaum planbar. Gottesdienste finden nur auf YouTube statt. Dafür will die Kantorin "i. R." auch in Zukunft auf der Orgel Musik einspielen. Irgendwann darf auch wieder gesungen werden. Bis dahin ist Orgel üben angesagt. Und heitere Gelassenheit. Mozart. Den Kirchenschlüssel hat sie ja noch. Die Verabschiedung kann warten.

 

Andreas Höfeld
6.3.2021


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