Evangelisches Dekanat Odenwald

"Lebensworte"

Dekanat präsentiert von Odenwäldern geschriebene Bibelauswahl

Michelstadt. Dem Evangelischen Dekanat Odenwald ist ein besonderes Projekt gelungen: ein Buch voller "Lebensworte". Es enthält handschriftliche Bibeltexte von Odenwäldern, teils bunt illustriert. Davon berichtet Initiator Bernhard Bergmann, der als Referent für Öffentlichkeitsarbeit das Projekt bis zu seiner Vollendung auch ein Jahr lang begleitet hat.

Vielfach gewiss ist das nun Vorliegende seiner Ansicht nach häufig "mit Herzblut geschrieben, allemal aber persönlich von Menschen, die sich hingesetzt haben mit Stift und Papier und von Hand biblische Texte aufgeschrieben haben". Dabei handelt es sich um Tauf- und Trausprüche, Lieblingsstellen, Mutmachworte und vieles andere mehr. Annähernd 500 Seiten umfasst eine Auswahl aus der Heiligen Schrift, die unter dem Titel "Lebensworte: Texte und Bilder aus der Bibel" zusammengefasst sind. Mit diesem Projekt gehen zugleich die Veranstaltungen zum Reformations-Jubiläumsjahr im Evangelischen Dekanat Odenwald in ihre finale Phase.

Persönlicher Bezug zur Heiligen Schrift wird gestärkt
Zur Idee erklärt Bergmann: Früher - vor der Erfindung des Buchdrucks - wurden bekanntlich Bücher und insbesondere die Bibel von Menschen, meist von Mönchen, mühevoll Buchstabe für Buchstabe von Hand abgeschrieben. Insofern greift dieses Projekt zurück auf die Zeit sogar vor der Reformation. Zum anderen aber wird auf diese Weise der persönliche Bezug zur Heiligen Schrift gestärkt, er wird unmittelbarer und sinnlicher; Menschen setzen sich vertieft mit der Bibel auseinander - und eben das ist ein wichtiger Gedanke Martin Luthers gewesen.

Manchmal haben die Schreibenden, darunter viele Kinder und Jugendliche, nicht nur zu Stift und Tinte gegriffen, sondern auch zu Farbkasten und Buntstiften: Eine Besonderheit dieser Bibel nämlich sind die Illustrationen. Das gehörte mit zu dieser Art der je eigenen Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift. Und auch die persönlichen Bezüge zu der jeweiligen Textstelle konnten mitnotiert werden, wovon viele Menschen Gebrauch gemacht haben.
Eine weitere Besonderheit sind fremdsprachliche Texte: das Vaterunser auf Aramäisch, außerdem Abschnitte in russischer, arabischer, hebräischer Sprache. Und: Nicht nur Evangelische, sondern auch Menschen aus anderen Konfessionen haben mitgewirkt - und auch solche, die einen Bezug zum Odenwald haben, auch wenn sie nicht (mehr) hier wohnen.

Ganze Grundschulklassen und Konfirmandengruppen, Frauenkreise und Kirchenvorstände haben mitgemacht sowie natürlich viele Einzelpersonen, vermeldet der Initiator nicht ohne Stolz. Außerdem sind aus allen 25 Dekanatskirchengemeinden Beiträge gekommen. Bergmann: "Mit wachsender Begeisterung habe ich die Manuskriptstapel ausgepackt und immer mehr gesehen: Es ist ein Schatz, der da zusammenkommt."

Nach der Präsentation bei der Dekanatssynode im November und beim Pfarrkonvent soll diese Bibel, von der es naturgemäß nur ein einziges Original-Exemplar gibt, "auf Tour' gehen durch die evangelischen Dekanatsgemeinden.

 

Das Projekt
- Vom Start des Projekts (Reformationstag 2016) bis zur Abholung des fertigen, handgebundenen Buches dauerte es fast genau ein Jahr. - Es umfasst insgesamt knapp 490 Seiten und enthält etwa zu gleichen Anteilen Altes Testament (AT) und Neues Testament (NT), anders als bei der vollständigen Heiligen Schrift, bei der das AT ungleich umfangreicher ist. Etwas mehr als die Hälfte des AT-Teils entfällt allein auf Psalmen. Etliche Bücher sind gar nicht vertreten, demgegenüber zum Beispiel ein relativ unbekanntes AT-Buch (Ester) vollständig. Im NT macht allein das Matthäus-Evangelium mehr als ein Drittel aus; auch eine komplette Bergpredigt ist dabei.

 

Elmar Streun
Odenwälder Echo, 27.10.2017


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