Evangelisches Dekanat Odenwald

Biblische Figuren

Auch Petrus muss mal zum Doktor

Höchst. Petrus kann auch Johannes sein. Oder Jona oder Abraham. Oder gar Lydia, Maria oder Martha. Und mit der entsprechenden Gewandung auch Jesus. Kleider machen Leute, könnte man auch hier sagen, wenn auch mit einer etwas anderen Bedeutung: Über die unterschiedlichen Gewänder, deren Herstellung mit zum Kursprogramm gehört, können die Biblischen Figuren in die verschiedensten Rollen schlüpfen. "Die Figuren haben keine Gesichter", erklärt Sabine Jackwert, im Hauptberuf Jugendreferentin im Evangelischen Dekanat Odenwald. Zusammen mit Pfarrerin Helga Hecker (Bad König) hat sie nun zum letzten Mal den Kurs "Biblische Figuren" im Kloster Höchst angeleitet, der in der EKHN-Fortbildungsreihe "Wissenswerte" vom Zentrum Verkündigung angeboten wird. Einen weiteren Kurs gab es jedes Jahr auf Dekanatsebene; diese Reihe endet nun, während die landeskirchenweite fortgeführt werden wird.

Die Gesichtslosigkeit ist aber keineswegs als Mangel zu verstehen, ganz im Gegenteil: "Das eröffnet viele Interpretationsmöglichkeiten", erklärt Jackwert. Wichtig ist nämlich neben den Gewändern die Körperhaltung. Die Biblischen Figuren sind dank eines ausgeklügelten Bewegungsapparates in ihrem Inneren sehr mobil, viele verschiedene Haltungen sind möglich. Da kann ein Prophet oder ein Hilfesuchender gebeugt sein - verzagt, alt, beschämt oder auch demütig. Genauso kann er - oder sie - selbstbewusst erscheinen, aufgerichtet, nach einer Begegnung mit Jesus zum Beispiel. "Eben darum kann man so gut mit ihnen biblische Geschichten darstellen, wie in einer Reihe von Momentaufnahmen", weiß Sabine Jackwert. Diese Geschichten werden auf diese Weise ganz anders vorstellbar, begreifbar. Außer der Anleitung zur Herstellung der Figuren gehört darum auch eine Einweisung in die Handhabung; wie stelle ich was dar? Dafür ist Pfarrer Thomas Volz (Frankfurt) mit von der Partie und erläutert die Möglichkeiten, welche die Figuren bieten. Diesmal - beim für Sabine Jackwert und Helga Hecker letzten Kurs - ging es schwerpunktmäßig um das Geschehen im Garten Gethsemane.

Die Dekanatsjugendreferentin und die Pfarrerin, die vorab selbst einen eingehenden Ausbildungskurs für die Gestaltung und Handhabung der Figuren absolviert hatten, haben die Kurse seit 2005 einmal pro Jahr angeboten; lediglich in einem Jahr konnte er seither nicht stattfinden. So waren es insgesamt 15 Kurse, die sie geleitet haben. Dabei sind mindestens 450 Figuren entstanden, eher noch deutlich mehr, hat Sabine Jackwert ausgerechnet. Das heißt, dass seither Adam, Eva, Kain und Abel, Abraham, Moses, Könige und Propheten, Maria, Josef, Jesus, die Jünger, Paulus und viele andere in ihren ganz unterschiedlichen Gewändern im gesamten Gebiet der hessen-nassauischen Kirche unterwegs sind und Menschen Jahrtausende alte Geschichten nahebringen. Zwischen Dillenburg und Neckarsteinach, Alsfeld und Worms leisten sie ihre wertvolle darstellerische Arbeit im Kindergottesdienst, in Schulen und Kitas, in Gruppen und Kreisen.

"Viele Teilnehmer waren immer wieder dabei", freut sich die Dekanatsjugendreferentin, die im Sommer in den Ruhestand gehen wird. Meistens ging es darum, weitere Figuren herzustellen, aber manche, die schon lange im Einsatz waren, mussten gleichsam auch mal "zum Doktor", wenn ein Hüftgelenk verschlissen oder ein Arm ausgekugelt war. Das ist eine weitere Parallele zum wirklichen Leben - wie auch diese: "Die kleinen Figuren sind komplizierter herzustellen, sie brauchen mehr Zuwendung." Wenn eine Dekanatsjugendreferentin nach fast vier Jahrzehnten Dienst so etwas sagt, dann weiß sie sicher sehr genau, wovon sie redet.

 

Bernhard Bergmann
10.2.2020


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