Evangelisches Dekanat Odenwald

Essensretterin Talley Hoban

"Ich rette Gemüse"

Erbach. "Andere retten Wale, ich rette ganz unspektakulär Gemüse", erzählt Talley Hoban aus Wiesbaden den Gästen in der Erbacher Stadtkirche. Als Gast der Aktion Brot für die Welt, die am Ersten Advent in der Erbacher Stadtkirche eröffnet werden wird, erzählt Hoban, wie sie zur Essensretterin und Mülltaucherin der ersten Stunde in Deutschland geworden ist. Vor allem aber, warum sie sich engagiert dafür einsetzt, dass möglichst wenig Essen in die Tonne gekippt wird.
Jeder Deutsche wirft im Durchschnitt 83 Kilo Essen pro Person und Jahr weg. Der Anteil am Lebensmittelmüll ist bei den privaten Verbrauchern mit über 50 Prozent am höchsten. Hinzu kommt noch das, was von Lebensmittelläden, Großküchen, Restaurants und anderen Großversorgern weggeworfen wird. Auch in der Landwirtschaft landen Ernteüberschüsse im Abfall, ebenso Gemüse oder Kartoffeln, weil sie zu groß, zu klein oder einfach ein bisschen eigenwillig gewachsen sind.

Talley Hoban, die mittlerweile in fast allen deutschen Fernsehsendern über ihre Mülltauchaktion berichtet hat, geht es darum, Menschen aufzuzeigen, dass durch die Verschwendung hierzulande auch der Hunger in der Welt schlimmer wird. "Wir können zwar keine Lebensmittelreste zu den Hungernden schicken, aber dadurch, dass wir so viel wegwerfen, werden Ackerflächen besetzt, die für die Ernährung und das Überleben von Menschen in armen Ländern nicht mehr zur Verfügung stehen, weil zum Beispiel dort Soja für das Viehfutter in reichen Ländern angebaut wird."
Dazu heize der Lebensmittelmüll auf der Welt auch den Klimawandel an. "Wenn wir unseren Lebensmittelmüll um die Hälfte reduzieren würden und mit ihm die Klimagase, wäre das so, als würden wir jedes zweite Auto stilllegen", verdeutlicht die engagierte Wiesbadenerin.

Am Anfang, so erzählt Hoban, war es auch ein bisschen Abenteuerlust, als sie sich zum ersten Mal mit einer Freundin auf den Weg in den Container einer Lebensmittelkette begab, um nach Essen zu tauchen. Andererseits sei es auch schockierend gewesen, was alles im Müll landet.
Angst, dass sie etwas Verdorbenes erwischen könnte, hat sie nicht. "Ich vertraue auf meine Sinne", zumal es vor allem Gemüse und Obst ist, was weggeworfen wird. Talley Hoban hat auch gelernt, flexibel zu sein und zum Beispiel Gemüse zu kochen, dessen Zubereitung sie vorher nicht kannte.
"In Industrieländern kann man sich sehr bequem von dem ernähren, was andere wegwerfen", bilanziert Hoban, die auch ein Fan von Sperrmüllmöbeln und gebrauchter Kleidung ist.

Zum Schluss gibt die Essensretterin noch Tipps, wie Lebensmittelmüll zu vermeiden ist: "Wenn man zum Essen ausgeht, immer Plastikgeschirr mitnehmen, damit man die Reste, die man nicht mehr essen mag, mitnehmen kann." Außerdem empfiehlt sie, gut den Einkauf zu planen. Und wer vor dem Urlaub doch noch den Kühlschrank voll hat, kann Nachbarn oder Freunde versorgen oder die Resteliste bei www.foodsharing.de einstellen, damit andere es sich abholen können. Wer Obstbäume hat und diese nicht abernten kann, findet Abnehmer unter: mundraub.de.

 

Dr. Ute I. Greifenstein
18.11.2019


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