Evangelisches Dekanat Odenwald

'Brot für die Welt' 2019

Essen zwischen Acker und Tonne

Odenwaldkreis/Erbach. Die zentrale Eröffnung der beiden hessischen evangelischen Kirchen für die 61. Aktion "Brot für die Welt" findet diesmal am Ersten Advent (1. Dezember) in Erbach statt. Im Vorfeld gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, welche mit thematisch unterschiedlichen Schwerpunkten zur Eröffnung hinführen. So war nun Filmregisseur Valentin Thurn (Köln) zu Gast im Höchster Kino und stellte dort seinen Film "Taste the Waste" (2011) vor. Dieser Dokumentarfilm zeigt in eindrücklichen Bildern, wie Essensverschwendung in Europa aussieht. Bereits am Vormittag des Tages machte Thurn Station im Gymnasium Michelstadt, wo über 100 Schüler aus Oberstufenkursen Religion und Ethik den Film sahen und danach mit dem Regisseur darüber sprachen.
"Ein Drittel der Welternte geht kaputt auf dem Weg vom Acker zum Teller", so Thurn. Einer der Gründe dafür: die Preise stabil zu halten; ein weiterer: Es ist preiswerter, nicht verkaufte Nahrungsmittel wegzuwerfen, als sie anderweitig zu verwerten. Dafür sind auch gesetzliche Vorgaben mitverantwortlich, "aber mit den regierenden Parteien etwas zu ändern, ist schwierig", sagte der Regisseur.
Ein weiteres Problem aus seiner Sicht: "Lebensmittel wie ein normales Industriegut zu behandeln, ist Wahnsinn." Aber nach seinem aufrüttelnden Film gab es auch positive Veränderungen, sodass Thurn zwei Jahre später den Dokumentarfilm "Die Essensretter" drehen konnte.
Die Gymnasiasten fragten den Regisseur unter anderem, wie er zu seinem Thema gekommen oder wie schwierig es gewesen ist, Supermarktmitarbeiter zu filmen, die in großen Mengen Essen vernichten. Kritische Rückfragen galten immer wieder auch den zugrundeliegenden politischen Strukturen.

Einen Tag später war Biolandwirt Felix Prinz zu Löwenstein (Habitzheim) zu Gast in der Erbacher Stadtkirche und sprach dort über ökologische Landwirtschaft. Derzeit finde das sechste Massenaussterben innerhalb von 3,5 Milliarden Jahren statt, zugleich das erste, welches durch eine Spezies - den Homo sapiens - verursacht sei. Als Ursachen nannte Prinz zu Löwenstein etwa die Verschmutzung des Grundwassers und der Meere sowie die völlig überdimensionierte Anwendung von Antibiotika. "Weil wir nicht rechtzeitig den Sinkflug eingeleitet haben, kommt jetzt der Sturzflug", so der promovierte Agrarwissenschaftler mit Blick auf die anstehenden notwendigen Änderungen. "Und wir müssen aufpassen, dass wir keine Bruchlandung hinlegen." Es gelte einen Ausstieg aus dem landwirtschaftlichen Subventionssystem anzupeilen. Rechne man beispielsweise die Schäden, die durch Überdüngung entstehen, in die Preise der landwirtschaftlichen Produkte mit ein, so müssten konventionell erzeugte Lebensmittel wesentlich teurer sein als Bio-Produkte. "Landwirte müssen ein mutiges Bild entwickeln, wo wir hinwollen", so Prinz zu Löwenstein, der als Bio-Landwirt stets einen kollegialen und realistischen Blick von innen auch auf die Nöte und Sorgen der Bauern hat.

An ein Impulsreferat Felix Prinz zu Löwensteins schloss sich eine rege Diskussion an. Dabei meldeten sich auch regionale Landwirte zu Wort und brachten ihren Blick auf die Thematik ein. Die Moderation hatte der Erbacher Pfarrer Dr. Thomas Hoerschelmann übernommen, Kantorin Brigitte Harsch trug musikalische Zwischenspiele bei.

Am Freitag, 8. November, kommt um 19 Uhr die Bloggerin Shia Su (Köln) in die Erbacher Stadtkirche und erklärt, wie man die eigene Müllproduktion minimieren kann.

Übersichtsflyer hier

 

Bernhard Bergmann
21.10.2019


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