Evangelisches Dekanat Odenwald

Dekanatskirchentag:

Was Rückenwind so alles bedeutet

Höchst. Die sprachliche Beziehung zwischen Wind und Geist ist im biblisch-religiösen Sinn eng, verdeutlichte die Starkenburger Pröpstin Karin Held (Darmstadt) in ihrer Predigt beim Auftaktgottesdienst zum Dekanatskirchentag im Kloster Höchst; dessen Thema lautete "Rückenwind". - "Wind hat Menschen zu allen Zeiten fasziniert", erinnerte die Pröpstin. Lange habe es die Vorstellung gegeben, die Götter machten den Wind, der ja durchaus zwiespältig daherkommt, denn er kann nicht nur erfrischen, Kraft geben, erneuern und vorantreiben, sondern auch zerstören - und er ist unbezähmbar. Mit dem Wort hebräischen Wort "Ruach" aus dem alttestamentlichen Schöpfungsbericht kommt dann auch sprachlich schon der Geist Gottes nahe. "Ihn kann man nicht sehen, aber seine Wirkung erkennen", so die Pfarrerin: "im Tatort Welt und Leben sowie im Tatort Kirche und Gemeinde". Der Heilige-Geist-Wind sei "Gott in Aktion, und welche der Rückenwind Gottes treibt, die haben Hoffnung und Vertrauen".

Im Lauf des Gottesdienstes, zu dem Dekan Dr. Karl-Heinz Schell rund 350 Gäste im Zelt auf dem Klostergelände begrüßte, kamen auch Stimmen aus den Kirchengemeinden und von einzelnen Menschen zu Wort, die bereits im Vorfeld notiert hatten, was Rückenwind für sie bedeutet: von Stärkung war da die Rede ebenso wie von Ermutigung und dem Wissen, getragen zu sein. Wichtig sei aber auch, die eigenen Segel im richtigen Moment zu setzen, sodass der Rückenwind seine Wirkung entfalten kann.

Mit der Zukunft der Kirche beschäftigte sich in einem Vortrag mit anschließender Diskussion eingehend der Theologe Klaus Douglass. Er prognostiziert, dass das Christentum in Deutschland in absehbarer Zeit zu einer Minderheitenreligion werden wird. Die Entwicklung sei schmerzlich, aber sie trage auch die Chance einer Neubesinnung in sich. Von ihren Ursprüngen her sei die christliche Kirche eine Basisbewegung. Menschen, die von den Worten und Taten des Mannes Jesus begeistert waren, ließen andere ihre Begeisterung spüren. So entstanden immer mehr Gemeinden. "Kirche wird in Zukunft davon leben, dass die immer weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrer Ehrenamtliche befähigen, ihren Glauben zu sagen und zu leben", so Douglass. Viele kleine Gemeinden mit unterschiedlichen Schwerpunkten könnten entstehen. Dabei sei es wichtig, das "innere Feuer" lebendig zu halten. "Hoffnung schöpfen und weitergeben" - dazu müssten Hauptamtliche Laien befähigen. Es gehe in Zukunft stärker darum, auf andere zuzugehen und einladende, feiernde und fürsorgliche Gemeinde zu sein mit frischen Ausdrucksformen. "Immer mehr Fusionen sind auf Dauer gesehen nicht die Lösung", ist Douglass überzeugt.

Wie immer gab es viel Musik - von einem Gospelchor aus Bauschheim, der gerade im Kloster zu Gast war, von der Dekanatsband wie auch von zwei Musikern, die an ihren Drehorgeln bald hier bald da auf dem weitläufigen Klostergelände Station machten. Auch Solistinnen und Solisten bereicherten den Tag musikalisch. Den Gottesdienst hatten Posaunenchor (Leitung: Frank Vogel) und Kirchenchor (Leitung: Beate Ihrig) musikalisch gestaltet.
Es gab weitere Gesprächsrunden und Interviews, die sich dem Thema Rückenwind widmeten, darüber hinaus Ausstellungen, Informationsstände und Führungen und noch einiges andere mehr.

Das Evangelische Dekanat Odenwald feierte zugleich ein kleines Jubiläum: Seit genau 50 Jahren gibt es in der Region diese Art von kirchlicher Großveranstaltung. Weil der Dekanatskirchentag nicht in jedem Jahr stattfand, war dieser nun der fünfunddreißigste seit dem Beginn im Jahr 1969. Deutlich wurde aber: Rückenwind kommt von hinten, doch die Richtung ist klar - nach vorne.

 

Bernhard Bergmann/Marion Rink
16.9.2019


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