Evangelisches Dekanat Odenwald

Thema Motorradfahrer im Odenwald

Biker als Gäste sehen

Odenwaldkreis/Erbach. In Mossautal hält sich derzeit an vielen Stellen ein schreiender Mensch die Ohren zu. Die neue Plakataktion der Kommune sagt deutlich: Wir leiden unter dem Lärm, den Motorradfahrer in unseren Ort bringen, wir können und wollen ihn nicht mehr hinnehmen. Der evangelische Pfarrer Reinhold Hoffmann aus Rothenberg, selbst Motorradfahrer, versteht das. Durchaus selbstkritisch hat er nun beim Biker-Gottesdienst in Rothenberg eine Selbstverpflichtung vorgestellt, die von den Gottesdienstbesuchern geteilt wird: Wenn wir durch Orte fahren, sind wir dort zu Gast, lautet eine Grundaussage. Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen, bedeutet aber zugleich, sich anständig zu verhalten. Also mit normalem Tempo statt mit hoher Drehzahl durch die Ortschaft zu fahren, und damit zugleich mit akzeptabler Lautstärke.

Dieses Dokument mit dem Titel "Was wir uns vornehmen" hat Pfarrer Hoffmann in schriftlicher Form dieser Tage auch an Ralf Löring überreicht. Der Polizeihauptkommissar ist bei der Polizeidirektion Odenwald mit Sitz in Erbach der zuständige Verkehrs-Sachbearbeiter und ebenfalls passionierter Motorradfahrer. Löring betont im Gespräch mit dem Pfarrer: "Wie immer sind es einige wenige, die eine ganze Gruppe in Verruf bringen." Die große Mehrzahl der Biker fahre zurückhaltend - vorschriftsmäßig, wie es bei der Polizei heißt. Und Ralf Löring weiß, wovon er spricht. Regelmäßig kontrollieren er und seine Kollegen die Motorradfahrer; wenn möglich einmal im Monat, meistens am beliebten Bikertreffpunkt am Marbachsee, in der Nähe der Staumauer. Der Grundsatz bei diesen Kontrollen laute aber entgegen landläufiger Annahmen nicht: Bußgelder verhängen und Punkte nach Flensburg melden. Sondern: "Wir wollen durch Aufklärung Unfälle vermeiden, und vor allem die menschlichen Dramen, die oft damit verbunden sind." Wer als Polizist einmal den Angehörigen eines tödlich Verunglückten die Todesnachricht überbracht habe, vergesse das nie mehr.

So weit soll es eben gar nicht kommen. Deshalb richten der Pfarrer und der Polizist einen Appell an alle, Anwohner wie Motorradfahrer: Nicht sich auf einzelne zu fixieren, vielmehr Toleranz und eine gewisse Gelassenheit aufzubringen, aber eben auch Rücksicht einzuüben und sich klarzumachen, dass es nicht nur um die eigenen Bedürfnisse geht, sondern am Straßenrand manchmal Kinder spielen oder Menschen im Garten sitzen und grillen. "All das muss unter einen Hut in unserem Mikrokosmos Odenwald", sagt Polizeihauptkommissar Löring und weiß, dass das genauso schwierig ist, wie es klingt.

Die Kollekte des Bikergottesdienstes erbrachte 266,22 Euro für die Notfallseelsorge.

 

Bernhard Bergmann
20.5.2018


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