Evangelisches Dekanat Odenwald

Innenrenovierung der Kirche in Rothenberg

Dem goldenen Knopf auf der Spur

Rothenberg. Es ist eine vielschichtige Arbeit, der sich Iris Uhrig widmet. Die Restauratorin aus dem rheinhessischen Alsheim ist schon seit dem letzten Sommer immer wieder tageweise damit beschäftigt, an ausgewählten Stellen im Innenraum der evangelischen Kirche in Rothenberg vorsichtig mit feinen Werkzeugen Schicht um Schicht freizulegen, um zu schauen, was sich darunter verbirgt. Es ist jedenfalls Geschichte, soviel ist sicher, und auch da steckt ja das Wort Schicht drin.
An diesem Vormittag ist Fachfrau Uhrig im Chorraum einem gemalten goldenen Knopf auf der Spur, den sie vorsichtig, Millimeter für Millimeter, freikratzt; später wird sich zeigen, dass es sich dabei wohl eher um ein Kreuz handelt. Gold hat sie schon beim Schürfen an anderer Stelle entdeckt, so an Kapitellen im Deckenbereich. Darüber hinaus hat die Restauratorin Ranken und aufgemalte Trauben gefunden sowie eine Vorhang-Malerei im Chorraum. "Ich gehe inzwischen davon aus, dass die Kirche ursprünglich reich ornamentiert war", folgert Iris Uhrig, nachdem sie insgesamt über 20 Stellen in ganz verschiedenen Bereichen der Kirche mit gleichsam detektivischer Genauigkeit untersucht hat.

"Es dauert nun natürlich alles viel länger als geplant", erklärt Pfarrer Reinhold Hoffmann. Seit einem Dreivierteljahr kann das Gotteshaus nicht mehr für seinen eigentlichen Zweck genutzt werden. Den Innenraum prägt ein mächtiges Gerüst, welches bis unter die Decke reicht; Bauschutt liegt an etlichen Stellen, die Orgel ist staubdicht eingepackt. Wie so viele Renovierungen hatte auch diese Innenrenovierung der 1883 fertiggestellten Kirche einen vergleichsweise unbedeutenden Ausgangspunkt: "Die Elektrik war vollkommen überaltert", sagt Pfarrer Hoffmann. Um Schlitze für neue Leitungen klopfen zu können, musste der Boden raus, ebenso die Kellerfliesen an der Seite des Kirchenschiffes; das leisteten Gemeindeglieder bei einem gemeinsamen Einsatz in Eigenarbeit. Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch gleich eine bei der Renovierung 1962 vorgenommene Veränderung rückgängig gemacht: Damals hatte man den Chorraum angehoben. Dieser wurde nun wieder abgesenkt. Nur noch zwei statt wie in den vergangenen Jahrzehnten vier Stufen führen dann hinauf. Endgültig entschieden ist noch wenig, aber vielleicht findet der Altar seinen Platz künftig nicht mehr im Chor, sondern davor; stattdessen könnte im Chor der Taufstein stehen, hat doch das Sakrament in dem Rothenberger Gotteshaus eine besondere Bedeutung: "Die Kirche steht im Zeichen der Taufe", betont Reinhold Hoffmann und weist auf das Kirchenfenster, das zentral im Chorraum die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer zeigt.

Im Zuge der Renovierung wurde von der Kirchenverwaltung auch eine Bestandsuntersuchung angeordnet. Hier kam Restauratorin Uhrig dazu und begann mit ihren Recherchen. Was sie zutage förderte, bedeutete auf der einen Seite die Verzögerung. "Auf der anderen Seite sehen wir, wie es früher war, und entdecken dabei ganz neue Möglichkeiten", so Hoffmann. Auch der Kirchenvorstand war davon bei seiner jüngsten Sitzung angetan. Das betrifft zum Beispiel die mögliche Farbgebung etwa der Holzbalken, aber vor allem der Decke. Hier ist nach den Vorarbeiten von Iris Uhrig Blau als dominierende Farbe denkbar, im Chorraum hingegen Blau und Rot, welche die Kirche früher einmal an diesen Stellen prägten. Statt des bisherigen Bodens aus Kunststein soll wieder, wie vormals, Sandsteinboden verlegt werden. Auch die Kirchenbänke werden überarbeitet wiederkehren. Außerdem wird es eine neue Akustikanlage und eine Ausgleichsautomatik für die Luftfeuchtigkeit geben, freut sich der Ortspfarrer. Letztere ist vor allem für die Orgel wichtig.

Was die Kosten angeht, so muss die kleine Kirchengemeinde ganz im Süden des Kreises "definitiv weit über 100.000 Euro" tragen, kann der Ortspfarrer schon jetzt absehen. Aber immerhin ist das nur ein Drittel der Gesamtkosten, zwei Drittel übernimmt die Landeskirche, aus Kirchensteuermitteln. An Weihnachten, hofft der Geistliche, kann die Kirche wieder als Gotteshaus genutzt werden. Und sicher ist: "Sie wird anders als vorher aussehen."

 

Bernhard Bergmann
9.4.2018


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