Evangelisches Dekanat Odenwald

Auszeichnung

Gütesiegel fürs Kindernest

Nieder-Kinzig/Darmstadt.Als bislang einzige evangelische Kindertagesstätte in Südhessen hat das Nieder-Kinziger "Kindernest", das sich in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Kirchbrombach befindet, nun das Gütesiegel der Bundesvereinigung Evangelischer Kindertagesstätten e. V. erhalten. Die bundesweit anerkannte Auszeichnung prämiert Kitas, die in ihrer religions- und sozialpädagogischen Arbeit eine besondere Qualität gewährleisten.

Beziehungsarbeit und Wertschätzung, "der Blick auf das einzelne Kind", sind Aspekte, die in dem Gutachten hervorgehoben werden: die Drei- bis Sechsjährigen, die tagsüber im Kindernest für Leben sorgen, dürfen mitreden, bearbeiten Probleme selbst. "Es gibt regelmäßige Kinderkonferenzen", erklärt Kita-Leiterin Monika Mohr-Tyrai dazu. Im Mittelpunkt stünden die Bedürfnisse der Jungen und Mädchen sowie die Auffassung, dass ein Kind sich selbst bildet. Das ist so ein Punkt, der von den Qualitätsentwicklern gelobt wird. Ein anderer: die offene Arbeit; anders als in den meisten anderen Kindergärten, gibt es im Kindernest keine Gruppen. Die Jungen und Mädchen haben zu allen Erzieherinnen gleichermaßen Kontakt und können sich frei in der Einrichtung bewegen. Große Transparenz und Elternarbeit wurden ebenfalls positiv vermerkt.
Die "Orientierungsfigur Jesus" spiele darüberhinaus eine wichtige Rolle in der evangelischen Einrichtung, sagt deren Leiterin; gleichzeitig und durchaus nicht im Widerspruch dazu das Thema Interkulturalität.
Pfarrer Thomas Lotz sieht auch ganz praktische Vorteile: zum Beispiel die Entlastung, die es fortan dadurch gibt, dass man auf dokumentierte, verbindliche Regeln und Abläufe zurückgreifen kann.

Monika Mohr-Tyrai, die die Einrichtung seit 1999 leitet, erzählt, dass ein langer und nicht selten ziemlich anstrengender Weg hinter allen Beteiligten liege: Was war nicht alles zusammenzustellen, auszufüllen und vorzubereiten, um sich um die Auszeichnung bewerben zu können. Es gab Telefoninterviews und galt in persönlichen Gesprächen Rede und Antwort zu stehen. Auch die Erzieherinnen wurden befragt, ebenso Eltern, Pfarrer, Geschäftsführung. Und die Qualitätsprüfer aus dem Zentrum Bildung der Landeskirche in Darmstadt sind auch nach Nieder-Kinzig gekommen, haben sich Abläufe angesehen, Unterlagen geprüft, viele Fotos für die Dokumentation gemacht.

Eigentlich beginnt der Weg zum Gütesiegel schon im Jahr 2008, erinnert sich die Leiterin. Damals hat sie begonnen, vieles von dem zu dokumentieren und zu systematisieren, was sonst einfach so nebenbei lief oder eben gemacht wurde, ohne es zu thematisieren: Stichwort Qualitätsentwicklung. Klar, die Zeit für all das kann man sich nicht aus den Rippen schneiden; der Betrieb - in ihrem eigenen Fall Einrichtungsleitung mit Verwaltung und nebenbei die Arbeit mit den Kindern - läuft weiter und hatte sie auch davor schon ausgelastet.

Eine Besonderheit des Nieder-Kinziger Kindernests ist seine Größe beziehungsweise deren Gegenteil: In dem schönen Sandsteingebäude, dem Alten Schulhaus des Bad Königer Stadtteils an der Ecke Darmstädter Straße/Klosterwaldstraße, herrscht eine gewisse räumliche Enge. Mit 50 Kindern ist die Einrichtung die kleinste im Bereich der evangelischen Kindertagesstätten in Südhessen, weiß Mohr-Tyrai. Alle Plätze sind fast immer belegt, es gibt eine längere Warteliste. Kamen die Jungen und Mädchen früher nur aus Ober- und Nieder-Kinzig, kommen heute auch Kinder aus Bad König und Etzen-Gesäß in das Kindernest.

Ein viele Seiten umfassendes, eingehendes Gutachten wurde von den Darmstädtern erstellt und gibt im wahrsten Wortsinn Zeugnis von der Güte der Arbeit mit den Kindern in Nieder-Kinzig. Monika Mohr-Tyrai freut sich für ihr gesamtes Team, denn, das sagt sie ganz deutlich: "Alle sind an dieser Auszeichnung beteiligt." Natürlich haben die Erzieherinnen auch ein Siegel zum Anschrauben mit nach Hause bekommen, das die Qualität drinnen gleichsam auch nach außen abbildet.

 

Bernhard Bergmann
8.11.2017


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