Evangelisches Dekanat Odenwald

Goldene Ordination von Pfarrer Dieter Borck

Begleiter für viele, von vielen begleitet

Schöllenbach. Er wollte nicht. Und deswegen ist Dieter Borck auch nicht in den Ruhestand gegangen. Wohl ist der evangelische Pfarrer aus Schöllenbach formal in diesen Status versetzt worden, vor knapp zwölf Jahren schon. Aber praktisch hat das kaum Auswirkungen; er arbeitet seither weiter, als ob nichts geschehen wäre - etwas freier nur, dafür aber auch in mancherlei Gemeinden. Und wo er wirkt, da würde man den mittlerweile 76-Jährigen nicht selten gerne behalten.

Seit genau fünfzig Jahren ist Dieter Borck nun Pfarrer, arbeitete zunächst im Westerwald und in Irland und lange Zeit dann in Langen, bevor er 1998 nach Schöllenbach-Bullau kam. Zur Feier seiner Goldenen Ordination im Rahmen eines Gottesdienstes in der evangelischen Quellkirche in Schöllenbach waren jetzt Ortsgemeinde, Familie, Freunde, Weggefährten und Kollegen sowie ihm anderweitig Verbundene gekommen und manche Vertreter auch aus ebenjenen Gemeinden, für die der rührige Geistliche in den vergangenen Jahren tätig geworden ist, wenn die eigene Pfarrstelle aus unterschiedlichen Gründen gerade vakant war. Das nicht eben besonders große Gotteshaus war jedenfalls schon geraume Zeit vor Gottesdienstbeginn bis auf den letzten Platz voll besetzt.

Als einer der Gäste meldete sich Pfarrer Christoph Mohr aus Nieder-Ramstadt zu Wort, in den Achtzigerjahren in Langen Borcks erster Lehrvikar. Er würdigte die Persönlichkeit und die Arbeit seines einstigen Lehrers in wenigen skizzenartigen und überaus humorvollen Strichen. Besonders amüsant aus heutiger Sicht die Erinnerung an einen Ausspruch Borcks damals: "Ich bin nun Mitte vierzig, die paar Jährchen schaffe ich auch noch."

Dieter Borcks Leben im so genannten Ruhestand kennzeichnen viele Aktivitäten - neben seiner Arbeit als Pfarrer, versteht sich: So ist er aktiver Sänger im Gesangverein Schöllenbach, fotografiert leidenschaftlich, erstellt regelmäßig Chroniken zu festlichen Anlässen und ist in der Heimatforschung rührig, um nur einige Beispiele zu nennen. Und ein offenes Ohr für die Menschen, die ihm begegnen, hat er immer; aber das geht dann ja auch schon wieder Richtung Pfarrersarbeit. Ein schwerer Autounfall in jüngerer Zeit setzte ihm indessen mächtig zu.

Ohne Gefährten ist ein solch langer Weg nicht zu denken. Genau daran erinnerte die Starkenburger Pröpstin Karin Held (Darmstadt) in ihrer Predigt. Sie erzählte die im apokryphen Buch "Tobias" berichtete Geschichte: Tobias begibt sich auf eine für die Familie wichtige Reise; dabei begleitet ihn ein Engel, der sich aber als solcher zunächst nicht zu erkennen gibt. Zwar verhindert er nicht die Gefahr, in die Tobias sich hin und wieder begeben muss, aber er ermutigt und ermuntert ihn, gibt Halt und Orientierung. Vielen mag Pfarrer Dieter Borck im Lauf der vergangenen Jahrzehnte solch ein Begleiter gewesen sein. Und viele derer, die für ihn selbst diese Bedeutung gehabt haben und haben, waren an dem sonnigen Sonntagnachmittag nach Schöllenbach gekommen, wenn sie nicht ohnehin dort leben wie Ehefrau Claudia, die seit 2005 in der Nachfolge ihres Ehemannes Ortspfarrerin ist.

"Junge Menschen haben Träume, wir Alten haben auch noch welche", sagte Pfarrer Borck in seiner Überleitung zur Bitte um Gottes Segen, an dem für jeden Lebensweg letztlich alles liegt.
Zu dem Gottesdienst trugen viele bei; neben denen, welche die Liturgie mitgestalteten, ist der Gesangverein Schöllenbach unter Leitung von Andreas Demmel (der auch die Orgel spielte) zu nennen. Aus den zahlreichen, zum Teil auch spontanen und mitunter sehr persönlichen Grußworten sprach viel Dankbarkeit und Herzlichkeit. Vertreter der katholischen und der neuapostolischen Kirche trugen dazu einen ausgesprochen ökumenischen Geist in die altehrwürdige Schöllenbacher Quellkirche.

 

Bernhard Bergmann
12.6.2017


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