Evangelisches Dekanat Odenwald

Forum Kirche und Gesellschaft Kloster Höchst

Damit der Traum Wirklichkeit bleibt

Höchst. "Europa - ein Traum!" Für Horst Rühl, den Vorstandvorsitzenden der Diakonie Hessen wird ein hoher Wert derzeit verspielt, was vor allem im Brexit Großbritanniens sinnfällig werde. Dies sagte Rühl im Kloster Höchst bei einem Gesprächs- und Diskussionsabend unter dem Titel "Werte bewahren: Europa, Demokratie, Gemeinschaft". Aus einer ursprünglichen Wirtschaftsgemeinschaft wurde die Europäische Union und eine Wertegemeinschaft, erinnerte Rühl bei dem vom Evangelischen Dekanat Odenwald veranstalteten und von Pfarrer Reinhold Hoffmann (Rothenberg) moderierten Gesprächsabend. Indes: "Solch eine Gemeinschaft kann nur funktionieren ohne Klüfte zwischen Arm und Reich", mahnte der Diakoniker, der auch fragte: "Ist unsere soziale Marktwirtschaft wirklich noch sozial?" Deutliche Worte fand Rühl zum Umgang mit Flüchtlingen - durchaus auch auf politischer Ebene; Stichwort "Abschiebungen".

Inwieweit er selbst sich zunehmend als Europäer zu sehen gelernt habe, verdeutlichte der Odenwälder Dekan Dr. Karl-Heinz Schell in seinem Impulsreferat. Nach zahlreichen Auslandsaufenthalten in sehr unterschiedlichen Kulturkreisen habe er vor allem den auch eng mit Kirche und Gemeinde verbundenen Begriff Gemeinschaft als zentral identifiziert. "Gemeinschaft als Wert hat verschiedene Facetten: global, national, regional", so Schell.
Der Bundestagsabgeordnete Dr. Jens Zimmermann (SPD) zitierte Willy Brandt mit dem Satz "Nichts ist von Dauer, und nichts kommt von alleine." Dies, so Zimmermann, gelte auch für Europa; der Politiker mahnte ebenfalls an, dass Deutschland als starkes Land sich seiner Rolle in Europa bewusster werden und mehr Verantwortung übernehmen müsse. "Behäbigkeit hat sich eingeschlichen", sagte das Mitglied des Bundestages. Als Kernwerte nannte er "Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität" und schloss die Frage an: "Wie können wir sie bewahren?"

"Frieden, Freiheit und Wohlstand sind keine Selbstläufer", betonte die CDU-Bundestagsabgeordnete Patricia Lips; "was kann die Gemeinschaft leisten, was müssen die Staaten tun?" Ohne die Menschen in Europa könne die Gemeinschaftsidee nun einmal nicht funktionieren, aber, so Lips: "Erreichen wir überhaupt noch die Menschen mit unseren Aussagen über Werte und Demokratie?"

"Warum eigentlich ballt sich alles in einem Ballungsraum?" fragte Landrat Frank Matiaske. Behörden, Firmen, und schließlich die Menschen - alle ziehen dorthin, wo die anderen sind, und die ländlichen Räume bleiben zunehmend leer zurück. Als "Wurzel des Übels" beschrieb Matiaske, dass es auf dem Land nicht genügend Arbeitsplätze gibt. Und die Unzufriedenheit der Menschen in strukturschwächeren Gebieten führe oftmals dazu, dass sie rechtspopulistische Parteien wie die AfD wählten. Der Landrat mahnte gezielte Förderungen des ländlichen Raums an.

Den Impulsgedanken der fünf Podiumsgäste schloss sich ein eingehender Austausch über Werte etwa in Ausbildung, Berufswelt, bei Lebensbedingungen und im Zusammenhang mit dem Menschenbild an. Schließlich wurde die Gesprächsrunde auch ins Publikum hinein erweitert. Auf das mehrfach geäußerte Stichwort "Politikverdrossenheit" antworteten die Podiumsteilnehmer mit dem nachdrücklichen Aufruf zum eigenen Engagement des einzelnen Menschen - sei es in Parteipolitik oder auf andere Weise. Landrat Matiaske begegnete der immer wieder artikulierten Politik-Unzufriedenheit mit dem pointierten Einwand "Der liebe Gott stellt sich leider auf diesem Planeten nicht zur Wahl."

Musikalische Zwischenstücke zu den Gedanken auf dem Podium trug Dekanatskantor Hans-Joachim Dumeier bei.

 

Bernhard Bergmann
25.5.2017


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