Evangelisches Dekanat Odenwald

Orgelrenovierung Neustadt

Die Königin ist dann mal weg

Neustadt. Ein Kirchenraum ohne Orgel - für viele undenkbar. In der evangelischen Kirche in Neustadt ist das derzeit leider nicht vermeidbar: Das Gehäuse steht leer und damit schweigend da. Die Orgel muss nämlich renoviert werden. Mitarbeiter der Firma Bosch haben die gut 600 Pfeifen des zehn Register umfassenden Instruments ausgebaut. Diese werden nun am Firmensitz in Niestetal bei Kassel gereinigt und aufgearbeitet. Auch die Klaviatur wird bei dieser Gelegenheit überarbeitet, ebenso wie die sogenannte Windanlage, ohne deren Luft die Orgelpfeifen gar nicht zum Klingen gebracht werden könnten.

Bekannt ist über die Neustädter Orgel, dass ihre ältesten Teile in diesem Jahr genau 300 Jahre alt sind. Geschaffen hat sie 1717 der namhafte Orgelbauer Johann Wilhelm Müßig. "Dieses barocke Instrument bestand bis 1958", weiß Thomas Wilhelm, der Orgelsachverständige der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Damals, vor knapp 60 Jahren, wurde vieles noch nicht aufgearbeitet, wie man es heute aus Respekt vor dem Altehrwürdigen tun würde, sondern einfach neu gemacht. Seitdem handele es sich, wenn man sich wie üblich nach den Namen der Erbauer richtet, um eine Förster-und-Nicolaus-Orgel, einer Firma im oberhessischen Lich. Aber ein paar alte Pfeifen sowie das barocke Gehäuse mit dem schön gestalteten Prospekt zeugen noch von der Vorgängerin.
Nach knapp drei Monaten soll die dann runderneuerte Orgel wieder vollständig zusammengebaut sein und nicht nur glänzen, sondern vor allem: ertönen. "Sie wird dann etwas mehr klingen wie das barocke Original", erklärt Wilhelm.

Eben weil ein Kirchenraum ohne Orgel für die meisten Menschen, wie eingangs erwähnt, kaum vorstellbar ist, haben inzwischen viele für die Aufarbeitung des ihnen so wertvollen Instruments gespendet, was Pfarrer Dr. Michael Weber besonders freut. Denn die Kosten für die Maßnahme schlagen mit rund 56.000 Euro zu Buche. Neben zahlreichen Privatspenden haben etwa die Frauenhilfe und der Kerbverein sich kräftig beteiligt, ebenso der Strickkreis und der Vereinsring: Es legen eben viele zusammen. "Daneben haben wir von der Stiftung Höchster Klosterfonds und von der Kirchenverwaltung sowie aus Konzerten und Kollekten Gelder bekommen und müssen natürlich auch noch einiges aus unseren Rücklagen beisteuern", erklärt Pfarrer Weber.

Bis die "Königin der Instrumente", wie eine Orgel auch bezeichnet wird, in ihr Gehäuse am angestammten Ort wieder einzieht, sorgt ein sogenanntes Orgelpositiv als Ersatzinstrument für Musik in der evangelischen Kirche in Neustadt. Ein Gemeindeausflug zur Firma Bosch in Niestetal, bei dem Interessierte sich vor Ort über die Arbeiten informieren können, ist für März geplant; der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.

 

Bernhard Bergmann
31.1.2017


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